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Freitag, 1. August 2008

Handykuss und Liebesrätsel


Beim Schreiben über den ersten Freche Mädchen - Freche Manga-Band habe ich ein ähnliches Problem, wie schon bei Stupid Story: Ich bin einfach nicht die Zielgruppe. Die Story dreht dich um Hanna, die zu ihrem 14. Geburtstag ihr erstes Handy bekommt. Ziemlich bald erhält sie seltsame SMS und Anrufe eines Verehrers. Den Rest des Bandes ist sie mit ihren besten Freundinnen Mila und Kati beschäftigt, den geheimen Verehrer zu finden. Ist es Markus, der fiese Macho, der Hanna aber offensichtlich mag? Der gutaussehende und hilfsbereite Junge aus dem Bus? Oder doch der mysteriöse Senpai, äh, 9. Klässler?

Der Zeichenstil ist zuckersüß und einfach, aber nicht zu einfach, sondern auf das Wesentliche reduziert. Handwerklich erzählt Inga Steinmetz sehr flüssig, die Zeichnungen treffen die Situation genau. Witzig ist der deutsche Hintergrund, mit Sek-I-Fete, romantischem Date auf dem Kirchturm und Discotürstehern, an denen man trotz unzureichenden Alters vorbei muss. Aber die Story an sich fand ich unerträglich. So gerne ich auch manchmal Shojo Manga lese, das hier ist zu kitschig und voller Klischees. Für die Zielgruppe, Mädchen von 12 bis 15, wird es aber wohl genau das richtige sein.

Bleibt zu hoffen, dass Inga Steinmetz ein ordentliches Schmerzensgeld erhalten hat (oder solche Geschichten wirklich gerne zeichnet). Wenn man den Manga mit der enthaltenen Leseprobe aus dem zur Vorlage dienenden Roman vergleicht, kann man feststellen, um was für eine präzise Umsetzung es sich handelt, und dass das Original noch viel schwerer zu ertragen ist. Zu danken ist also auch Yuki Kowalski, die als Autorin die Umsetzung des Bianka Minte-König-Romans in die Mangaform betreute. Tja, schade, dass ich nicht zur Zielgruppe gehöre...

Dienstag, 6. Mai 2008

Stupid Story


Die ersten drei Kapitel von Stupid Story erschienen zunächst in Paper Theatre. Jetzt wird die Geschichte von Tokyopop in Einzelbänden herausgebracht. Shounen Ai ist zwar absolut nicht mein Genre, aber ich muss anerkennen, dass Anna Hollmann eine professionellen Manga geschaffen hat.

Ihr Zeichenstil ist ein ziemlich charakterloser Standard-Shojo Stil. Die Jungs sind allerdings - soweit ich das beurteilen kann - zuckersüß dargestellt, weshalb die Zielgruppe die fehlende Originalität kaum stören dürfte. Besonders in wichtigen Szenen geht Anna Hollmann liebevoll ins Detail.

Die Geschichte ist ebenfalls nicht besonders originell. Außenseiter Yanik möchte an seiner neuen Schule einen Neuanfang wagen, was dadurch erschwert wird, dass ihn Frauenschwarm Alan spontan küsst, um seinen Mädchenanhang loszuwerden. Und dann trifft Alan Yanik auch noch zufällig in Frauenkleidern an, und verliebt sich in die vermeintliche Schönheit, was nach der Enttarnung für einige sexuelle Verwirrung sorgt. Die Geschichte ist nicht realistisch und wirkt manchmal arg konstruiert. Doch das hat sie mit vielen anderen Shojo Manga gemeinsam, deshalb muss einen das nicht stören. Die üblichen peinlichen Situationen kamen mir dabei glatt weniger krampfig vor, als bei den meisten anderen Genre-Vertretern, was durchaus bemerkenswert ist.

Alles in allem dürfte Stupid Story die Zielgruppe voll ins Herz treffen. Wer mit Shonen Ai nichts anfangen kann, wird natürlich nicht viel davon haben. Ich werde die Fortsetzung trotzdem lesen, denn schließlich möchte ich ja wissen, ob Yanik Alans Gefühle erwiedert. Gewöhne ich mich nachher doch noch an das Genre?

Montag, 7. Mai 2007

Manga Fieber 3

Der dritte Band von Tokyopops Manga Fieber ist mit einiger Verspätung endlich erschienen. Die Wartezeit war er aber wert: Die Qualität der enthaltenen Kurzgeschichten ist mal wieder erstaunlich! Die Zeichenstile der Germangaka werden immer sicherer und individueller, und auch die Geschichten sind inzwischen öfter mal lesenswert.

Die Geschichten im einzelnen:

Hanabi- Feuerwerk von Kou Aikawa
Nachdenkliche Geschichte, die die Bedeutung des richtigen Lebens im Vergleich zu Manga und Internet herausstellt. Huch, fühlt sich da jemand angesprochen? Nach einem klein wenig unübersichtlichen Einstieg gut erzählt und professionell gezeichnet, wenn auch ein bisschen eigene Stilelemente fehlen.

Leckerbissen von Jelka & Rieke Blendermann
Sehr witzige Geschichte über die Begegnung eines Obdachlosen mit einem mangaklauenden Außerirdischen und seiner Schwester. Charaktere und Humor sind fast perfekt, einzig die Hintergründe könnten manchmal noch ein kleines bisschen weniger geometrisch sein.

Sivans Quest von Claudia Flor
Eine nette kleine Abenteuergeschichte. Beeindruckend ist aber vor allem der Fantasy Zeichenstil, der Raster zahlreich und gekonnt einsetzt und bei den Zeichnungen nicht an Details und Struktur spart.

Emily mit dem Glasherz von Irina Frisorger
Irinas fantastischer, mit verschiedenen Liniendicken spielender Stil dürfte vielen schon aus Wunjo (Paper Theatre) bekannt sein. In einem realen Setting ist er hier auf einigen Seiten noch mal deutlich beeindruckender, und die erzählte Geschichte ist auch ganz nett.

Break Away von Janine Görss
Süße Geschichte um einen Außenseiter, der lernt, sich zu wehren. Allerdings wird die Botschaft mit der Holzhammermethode vermittelt. Die Zeichnungen sind wenig originell, aber superniedlich.

Manga Heaven von Anja Kesting
Yeah, eine Shonen Story! Schon das allein macht die Geschichte sympathisch, aber sie ist auch noch gut! Der Zeichenstil ist ebenfalls angenehm entfernt von den üblichen Kulleraugen, und der Schlussgag zündet, so muss das sein.

Zeichensprache von Simone Xie
Die erste Hälfte der Geschichte war ich mir nicht mal über das Geschlecht des Hauptcharakters im klaren. Das deutet schon auf den Inhalt hin: Süße Jungs und große Gefühle... Nicht mein Thema, aber diese Geschichte beschränkt sich auf Andeutungen, und ich muss einfach anerkennen, dass sie gut geschrieben und gezeichnet ist.

Das vorgegebene Manga Fieber Thema war für keine der Autorinnen als Inspiration notwendig oder etwa beschränkend, sondern wurde von allen völlig anders und originell umgesetzt. Bemerkenswert! Nun sind die Leser an der Reihe und können mit der beiliegenden Postkarte abstimmen, welche Storys und Zeichnungen ihnen am besten gefallen haben. Ich bin auf das Ergebnis und die daraufhin bei Tokyopop folgenden Germanga gespannt!

Manga Fieber Band 3 bestellen

Mittwoch, 2. Mai 2007

Iscel

Als ich Iscel Anfang letzten Jahres das erste Mal gesehen habe, war ich ein bisschen skeptisch. Die Zeichnungen sahen auf den ersten Blick ein wenig dahingekritzelt aus. Deshalb werden wohl viele Leute den Manga auch im Laden liegen lassen. Das ist ein Fehler!

Iscel ist einer der besten Germanga. An die Zeichnungen gewöhnt man sich schnell, und sie sorgen für eine besondere Atmosphäre. Das wirklich großartige an Iscel ist aber die Geschichte. Das Waisenmädchen Lalin erlebt vor dem Hintergrund eines epischen Krieges zunächst eine persönliche Tragödie, doch wird sie schnell in eben diesen Krieg verwickelt, als sie auf den Iscel Fin trifft. Eine typische Shonen Story eigentlich, nur mit einem Mädchen als Hauptfigur. Geschichten aus dem Shonen Genre gibt es ja eher selten aus Deutschland, das allein macht Iscel also schon zu etwas besonderem. Aber viel wichtiger ist, dass diese Geschichte auch noch perfekt erzählt ist, ganz ohne die sonst üblichen holprigen Stellen, Seltsamkeiten und andere Problemchen. Ihr Paneling beherrscht Detta großartig, man wird regelrecht in die Geschichte hineingesogen. Die Fantasywelt und die auftretenden Charaktere bieten eine Glaubwürdigkeit, wie sie ebenfalls selten in einem Germanga vorkommt. Ein volkommenes Leseerlebnis also, wenn man nicht die allerhöchsten Ansprüche stellt.


Bisher sind zwei Bände von Iscel erschienen, der dritte als Abschlussband für Herbst angekündigt. Aber hoffentlich werden wir noch einiges mehr aus der Welt von Iscel, oder zummindest aus der Welt von Detta Zimmermann, zu lesen bekommen. Tokyopop hat ein echtes Talent entdeckt!

Iscel Band 1 bestellen
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Über die Autorin

Detta Zimmermann ist 23 Jahre alt und zeichnet im Mangastil, seit sie 8 ist. Ihr erster Erfolg war ein dritter Platz im Jahr 2002 beim Wettbewerb Mangamagie der Kölner Buchhandlung Ludwig. Ihre erste Veröffentlichung war ihr Beitrag "Pencil Puri" in Manga Fieber Band 1, der von den Lesern als Beitrag mit der besten Geschichte ausgezeichnet wurde. Die Geschichte von Iscel hatte sie schon seit ca. 2000 im Kopf.