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Dienstag, 22. Juli 2008

Shôkuhn


Harald Kuhn (anscheinend gerade offline) hat für seine drei Shôkuhn-Bände dieses Jahr in Erlangen bei der ICOM-Preisverleihung eine lobende Erwähnung erhalten und war damit der einzige ausgezeichnete Germanga. Der Autor erzählt in klassischen senkrechten 4-Panel-Strips von seinen Erfahrungen als Fahrer eines japanischen Filmteams. Der deutsch/japanische Kulturenclash wurde zwar schon oft behandelt, aber selten so unterhaltsam wie hier. Harald Kuhn ist ein scharfer Beobachter und erzählt mit der nötigen Selbstironie wirklich witzige Episoden über seine Konflikte mit den Japanern, die Konflikte der Japaner untereinander und mit der deutschen Kultur, sowie über seine ganz persönlichen Konflikte.

Eigentlich müssten einem die ganzen autobiografischen Comics ja mittlerweile auf die Nerven gehen, aber dieser ist mal wieder so gut, dass man das glatt vergisst. Die ersten drei handbemalten, versiegelten Shôkuhn-Bände gibt es jetzt in einem schicken Set im Schuber, die Geschichte ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Autobiografien könnte man schließlich prinzipiell bis zum eigenen Tod fortsetzen, hoffen wir also auf noch viele weitere Bände Shôkuhn!

Kaufen kann man die sehr günstigen Bände im Freibeutershop, in Berlin in der Comicbibliothek Renate und bei Harald Kuhn selbst, wenn denn seine Seite wieder geht. Es gibt sogar englische Versionen!

Dienstag, 25. März 2008

Shounen Go! Go!


Der Animexx-Zirkel Go Go Gadget Shounen Drawing!! versucht, den Mangel an Shonen Manga aus deutscher Produktion mit einer eigenen Anthologie zu bekämpfen. Herausgekommen ist ein ordentliches Büchlein mit den folgenden sieben Geschichten:

Chaos Kids

von Philipp "Flint" Petzold

Von einer Geschichte kann man eigentlich nicht sprechen, Chaos Kids besteht aus einer unbegründeten Schlägerei mit Pointe am Schluss. Die Zeichnungen stecken dafür voller Leben und Charakter, und manchmal fließt die Action auch, gerät aber ebensooft ins Stocken. Wenn der Autor etwas zu erzählen hätte, könnte dabei etwas interessantes herrauskommen.


Von Söldnern, Trollen und anderen Problemen

von Wieland "sorata08" Möbus

Die Zeichnungen sind eher einfach, aber durchaus geeignet, die Geschichte zu erzählen. Nur manchmal kann man nicht erkennen, was gerade geschehen ist, was zu Brüchen im ansonsten akzeptabelen Lesefluss führt. Die guten Ansätze von Spannung und Humor führen somit nicht immer zum Erfolg.


Alien Invasion

von Choujin

Eine witzige und flüssig erzählte Geschichte über das Zusammentreffen von Außerirdischen und Menschen. Besonders das Spiel mit einer mit Anglizismen vollgestopften Zukunftssprache auf der einen und gestelzt altertümlichem Dialekt auf der anderen Seite ist gelungen. Die Zeichnungen sind ein bisschen roh, aber ansonsten gelungen.


Dryland

von Michael "LostSoul" Wild

Die übliche postapokalyptische Wüstenplanet-Wassersuche-Geschichte. Allerdings durchaus mit eigenem Charakter, es wird eher zitiert als kopiert. Der Zeichenstil ist ausgereift, und wenn auch die Proportionen nicht immer stimmen, so beeindrucken doch die Details und klaren Linien.


Boku no Battletoads

von monkey-hero

Und noch eine Geschichte, in der die Aliens unter uns sind. Hervorragend inszeniert, nur ein kleines bisschen farblos. Aber mehr aus so wenig Seiten herauszuholen ist auch schwierig. Gags und Action funktionieren jedenfalls meist, und das ist schließlich bei einem Shonen Manga das wichtigste.



Rescue Heroes

von Katzuko

Noch eine Wüstengeschichte? Bei den Zeichnungen gibt es manchmal Probleme mit den Proportionen. Ansonsten ist dies eine herrlich chaotische, aber immer flüssige Aneinanderreihung von Ereignissen, wie man sie aus Shonen Manga kennt und liebt.


Ziegenpeter

von steamed-dumpling

Wunderbar erzählte Geschichte von einem kleinen Dieb und seiner Ziege. Die Charaktere sind sympathisch und die Story hat ein durchgängig gutes Tempo. Die Hintergründe könnten noch verbessert werden, aber das Lesen macht auch so einfach Spaß.



Alles in allem eine wunderbar bunte Mischung, die zeigt, dass es auch im Shonen Bereich durchaus deutschsprachige Talente gibt. Hoffentlich bekommen wir von einigen der Autoren noch mehr, und vor allem längere Geschichten zu sehen! Der erste Band hatte gerade mal eine Auflage von 50 Exemplaren, eine weitere Ausgabe der Anthologie ist schon in Planung.

Sonntag, 6. Mai 2007

Ravine & Rendezvous

Seit 2004 Dystopia in der Daisuki erschien, gehört Judith Park zu den Vorzeige-Germangaka. Ihre Werke verkaufen sich gut und schaffen es auch ins europäische Ausland und sogar bis nach Korea. Aber was hat sie eigentlich vorher gemacht? Ich hatte keine Ahnung, bis mir dieses Jahr auf der Leipziger Buchmesse ein seltsames Heftchen im Regal aufgefallen ist. Eigentlich das übliche selbstkopierte Doujinshi-Heftchen, aber mit einem prominenten Namen auf dem Cover! Kurz reingeblättert, das Teil wurde 2003 vom Animexx herausgegeben, mit einer Auflage von 250 Stück. 2003? Judith Park? Wie hat das so lange im Regal vom Schwarzen Turm überlebt? Das wusste das Standpersonal auch nicht, und überließ mir das Heft schließlich für 4,50€. Ein offizieller Preis war nicht zu finden. Neben Ravine von Judith Park enthält das Heft noch Rendezvous von Joanna Zhou, beide Geschichten wurden back to back und in westlicher Leserichtung gedruckt.


Ravine
Die einzelnen Buchstaben des Titels stehen für Rescue, Anxiety, Violence, Indignity, Nature, Enemy. Und all die englischen Begriffe haben sogar ein kleines bisschen mit der Geschichte zu tun! Kompliment. Ravine ist ein Fantasy Story, allerdings mit stärkerem Fokus auf zwischenmenschlichen Beziehungen als auf der sie umgebenden Welt. Na gut, in einer Kurzgeschichte ist es auch schwierig, eine vernünftige Fantasy-Welt zu entwickeln, also ist es wohl nicht falsch, es einfach sein zu lassen. Die Geschichte ist manchmal ein bisschen plump erzählt, aber alles in allem ganz gut. Ähnliches gilt für die Zeichnungen. Man merkt, dass sich Judith Park seitdem deutlich verbessert hat, vor allem ihr Hochglanz Zeichenstil ist erst nach und nach entstanden. Ravine würde heute niemanden mehr vom Hocker hauen, aber historisch ist es auf jeden Fall interessant.

Ravine

Rendezvous
Die zweite Geschichte über eine Geisterfrau, die nicht in den Himmel aufsteigen kann, bis sich ihr letzter Wunsch erfüllt, gewinnt zwar keinen Originalitätspreis, liest sich aber flüssiger als die erste. Joanna Zhou hat eine nette Humorstory verfasst, die in sich geschlossen und ganz unterhaltsam ist. Die Zeichnungen sind, ähnlich wie bei Judith Park, ein wenig unsauber und inkonsistent, aber doch auf ordentlichem Niveau. Beide Zeichnerinnen haben außerdem einen eigenen, schon deutlich ausgeprägten Stil, der allerdings jeweils sehr unterschiedlich ist.

Rendezvous

Das Heft ist als historisches Dokument ganz interessant, besonders wenn man sich anschaut, wie die Autorinnen sich seitdem weiterentwickelt haben. Eine spätere Kurzgeschichte von Joanna Zhou gibt es übrigens im Manga Mixx #1. Auf jeden Fall ist es ein besonderes Stück in meiner Sammlung.

Freitag, 4. Mai 2007

Shortstories

Heute kam eine Büchersendung mit der Post, mit einem netten "Danke :-)" Stempel. Das kann ja nur vom Freibeutershop kommen! Richtig, da hatte ich ja neulich Shortstories bestellt. "Auflage nur 50 Stück, deshalb nicht lange zögern!" stand noch drunter. Also hab ich nicht lange gezögert, muss ja schließlich alles haben. Was habe ich bekommen? Ein süßes selbstgedrucktes Heftchen, 68 Seiten, 4 Kurzgeschichten. Das übliche also. :) Sogar signiert! Gezeichnet wurde das ganze von Jana Silny, die letzte der Geschichten wurde von Elisabeth Lorenzsonn geschrieben.

Umi no Uta
Die Geschichten im einzelnen:

Bochi
Nicht schlecht, aber irgendwie fast ganz ohne Story. Liest sich ganz flüssig, trotz ein paar Entgleisungen im Paneling, aber es passiert einfach nichts.

D*R*E*A
Ähnliche Engel und in-den-Himmel-kommen Thematik, aber das gleiche Problem: Es passiert nichts. Vielleicht hätte der ruhige Erzählstil in eine längere Geschichte eingebettet sogar seinen Reiz, aber hier auf 8 Seiten passiert einfach... nichts.

Umi no Uta
Huch, eine echte Geschichte! Die problematische Liebe einer Sirene (=Meerjungfrau) zu einem Menschen... Nicht besonders originell, aber ganz gut erzählt. Bis auf den unbefriedigenden Schluss.

Kyusai (Version 2006)
Auch hier versteckt sich eine Story. Wenn ich das richtig verstanden habe, geht es um einen seelenfressenden Engel. Die zeichnerische Umsetzung, besonders das Paneling, lässt allerdings zu wünschen übrig, und macht das verfolgen der Geschichte etwas schwer.

Kyusai
Die Zeichnungen sind nett, aber von schwankender Qualität. Ein individueller Stil fehlt völlig und die Hintergründe sind oft zu geometrisch aufgebaut. Manchmal überraschen aber doch Details oder Gefühle.

Vorne drauf steht "Part One", ich bin also auf Teil 2 gespannt. Vielleicht sollte die Story-Autorin nächstes mal selbst das Paneling übernehmen? Mich würde mal eine etwas längere Geschichte interessieren, mit Zeit für einen richtigen Schluss.