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Sonntag, 4. Mai 2008

Marika Herzog


Zur Connichi soll der erste große Band von Marika Herzogs Serie Grimoire bei Comicwerk erscheinen. Doch die Rostockerin hat schon eine Anzahl kürzerer Geschichten veröffentlicht:

Weird World

Marika Herzogs erste gedruckte Geschichte ist noch etwas wirr. Das liegt einerseits am Thema, denn Hauptcharakter Visious scheint Geister zu sehen, und man ist als Leser nicht sicher, wer denn nun Geist und wer wirklich ist. Allerdings ist auch einfach der Lesefluss noch nicht ganz rund. Die Zeichnungen sind schon sehr ordentlich, wenn auch in schlechter Qualität gedruckt, wobei die Zeichnerin ihren typischen Stil noch nicht ganz gefunden hat.

Grimoire: Prologue

Darian muss zur Strafe für seine schlechten schulischen Leistungen eine alte Ruine erforschen. Da stürzt plötzlich eine Säule ein und als Darian wieder zu sich kommt, hat er ein zweites paar Flügel und einen Begleiter in Form eines Babydrachens... Der Prolog ist eine schöne Einführung in die Fantasy-Welt von Grimoire und lässt auf eine epische Saga hoffen. Die Druckqualität ist besser, aber lässt noch etwas zu wünschen übrig, und hoffentlich liest Marikas Geschichten in Zukunft jemand vor dem Druck Korrektur. Die Zeichnungen sind jetzt stilsicher (wenn auch manche Charaktere zu ähnlich aussehen), und der Lesefluss hat sich ebenfalls verbessert.

Legacy of the Ocean

In ihrem Chibi erzählt Marika Herzog die Geschichte eines Jungen, der sich langsam in ein Unterwasserwesen verwandelt. Der Platz ist gut genutzt. Trotz der paar Seiten hat man das Gefühl, eine runde Geschichte gelesen zu haben. Die Zeichnungen verdienen Lob, besonders die Hintergründe mit Unterwasserwelt und Meeresstation sind toll in Szene gesetzt und Hintergründe sind auch in ihren anderen Geschichten Marikas Stärke.

Zur Erinnerung (Manga Mixx 5)

Diese Kurzgeschichte beschäftigt sich mal wieder mit dem Problem menschlicher Roboter, die die Menschen zu ersetzen drohen. Aber darf man sie deshalb einfach töten? Nicht besonders originell, aber flüssig erzählt und detailiert gezeichnet.

Ich freue mich auf den ersten großen Band von Grimoire, der hoffentlich der Beginn einer epischen Fantasy-Saga sein wird. Marika Herzogs Erzähl- und Zeichenstil hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt, so dass man in Zukunft mit spannende Geschichten in fantastischen Welten rechnen kann.

Marika Herzogs Blog mit Einblicken in die Arbeit an Grimoire
Comicwerk Shop mit Grimoire: Prolog und Weird World
Video Interview auf der MMC 2007
Manga Mixx 5 im Freibeutershop
Legacy of the Ocean bei Amazon

Donnerstag, 1. Mai 2008

Melanie Schober


Melanie Schober hat mit Personal Paradise bei Calsen gerade ihren ersten Einzelband veröffentlicht. Hier ein Überblick über ihre bisherigen Veröffentlichungen:

Borderliner 2-0-0-1 (Manga Spot 2006)

Diese Kurzgeschichte handelt von einem Schüler, der seinen Lehrer umbringen möchte, aber vom Geist von dessen Frau davon abgehalten wird. Eine nette, wenn auch nicht besonders originelle Kurzgeschichte, die durch den Platz von 16 Seiten begrenzt wird. Die Zeichnungen zeigen schon guten Instinkt für Paneling und Emotionen, haben aber noch einige Schwächen, was Proportionen und Hintergründe angeht.

Grimmig (Es war keinmal)

Für die Märchenanthologie des Schwarzen Turm ist eine Horrorgeschichte entstanden, die Hänsel und Gretel in der Jetztzeit zeigt. Grete liegt in einer psychiatrischen Anstalt und hat Visionen von der Hexe, die auf Rache aus ist. Hans will ihr nicht glauben... Der Lesefluss der Geschichte hakt an manchen Stellen ein wenig, aber die Hexe ist richtig schön ekelhaft fies geworden.

How to create the perfect Magical Girl / Shonen Manga (Kappa Maki 1 & 2)

Zu Kappa Maki steuerte Melanie Schober einen der witzigsten Beiträge bei. Auf fünf viel zu kurzen Seiten erläutert sie, wie man am besten alle Klischees des Magical Girl Genres bedient. Mit Daniela Winkler und Stella Brandner entstand eine Fortsetzung zum Thema Shonen Manga für Kappa Maki 2.

Raccoon

In ihrem Chibi erzählt Melanie Schober eine Episode aus dem Leben des kleinen Taku, der seine Eltern verloren hat, und von zwei umherziehenden Samurai aufgezogen wird. Taku möchte, wenn er groß ist, viele schlechte Menschen umbringen. In Raccoon lernt er durch die Begegnung mit einem Bösewicht, dass am Kämpfen nichts tolles ist, und beweist, dass er ein reines Herz hat. Trotz des begrenzten Platzes wird eine witzige und runde Geschichte mit Moral und Abschluss erzählt.

Personal Paradise

In einer dystopischen Zukunft regieren Jugendbanden, die von den Reichen und Mächtigen gelenkt werden, die Städte. So weit das etwas seltsame Setting von Personal Paradise. Die darin stattfindende Freundschafts- und Liebesgeschichte hebt sich allerdings durch die passend abgestimmte Mischung aus Humor, Konflikten und sogar Fanservice vom Durchschnitt ab. Die Charaktere sind lebendig und die Zeichnungen haben sich seit den vorangegangenen Werken noch mal verbessert. Lesefluss und Hintergründe stimmen jetzt, und die Welt von Julian und Anna ist herrlich detailverliebt dargestellt.

Und dann gab es da anscheinend noch einen Minidoujinshi namens Mörderherz, der mir leider fehlt.

Ich bin gespannt, womit uns Melanie Schober als nächstes überraschen wird, denn ihre bisherigen Werke machen Lust auf mehr. Die Chancen für viele Bände mehr stehen gut, denn die 23 jährige Österreicherin möchte unbedingt das Mangazeichnen weiter als Beruf ausüben.

Interview auf Mangaka.de
Profil mit Kurzmanga auf Spiegel Online
Raccoon bei Amazon
Personal Paradise bei Amazon
Melanie Schober im Freibeutershop

Donnerstag, 24. April 2008

Keyla

Zuerst hat mich ja die Anime-Koloration mit Disney-Geschmack abgeschreckt. Was für ein Fehler! Jetzt habe ich mir Keyla doch endlich geholt und gelesen. Meine Güte! An diesem Manga zeigt sich, dass es sich lohnt, wenn sich ein Autor und ein Zeichner die Arbeit teilen: Die Geschichte von Nicole Klementz handelt von Keyla, die ihre Wüstenheimat verlässt und als blinder Passagier in einem Raumschiff mitfliegt. Dass das keine so gute Idee war, merkt sie, als die Aliens, deren Sprache sie nicht versteht, sie auf einem Sklavenmarkt verkaufen... Die Reise in den Weltraum kommt ziemlich plötzlich und unerwartet, nachdem Keyla erst einmal als ungehorsame Tochter eines Wüstenvolkes in Szene gesetzt wird. Doch auch unter den Außerirdischen macht sich die kleine Keyla gut und die Beziehung zu ihrem Käufer ist rührend.

Nhung Vu setzt die Geschichte lebendig und mit spürbaren Disney-Einflüssen in Szene. Die Zeichnungen wirken fast perfekt und sind oft, besonders was außerirdische Flora und Fauna angeht, mit liebevollen Details ausgestattet. Sie haben sich seit der sowieso schon schicken Geschichte "Die kleine Elfe" aus dem Manga Mixx 1 (übrigens auch schon eine Kooperation mit Nicole Klementz) noch mal ein ganzes Stück gesteigert.

Eine erfolgreiche Zusammenarbeit, bei der man erst gar nicht glauben kann, dass sie aus Deutschland kommt.